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Bericht

(ch) Die Preisanpassungen beim Direkten Verkehr zum Fahrplanwechsel 201410.08.2014

Der Verband öffentlicher Verkehr (VöV) hat am 2. Mai 2014 die vom Verband geplanten Tariferhöhungen im Direkten Verkehr zum Fahrplanwechsel 2014 bekannt gegeben und entsprechend den "Spielregeln" dem Preisüberwacher vorgelegt. Dieser hat seither die Preiserhöhungen geprüft. Am 4. August 2014 haben der Preisüberwacher und der VöV in einer gemeinsamen einvernehmlichen Regelung gemäss Art. 9 des Preisüberwachungsgesetzes die definitiven Preisanpassungen und verschiedenste Zusatzregelungen bekannt gegeben. Die neue Vereinbarung hat eine Laufzeit von drei Jahren bis zum Fahrplanwechsel 2017. Während dieser Zeit ist die Aufhebung oder Änderung der Vereinbarung nur bei einer wesentlichen Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse möglich (z.B. wenn der Bund die Trassengebühren anders als angekündigt erhöhen würde oder bei Teuerung > 1 %). Zum Fahrplanwechsel am 14.12.2014 läuft die aktuell gültige Vereinbarung zwischen Preisüberwacher und VöV aus dem Jahre 2012 aus.

Grundlegende Tarife

Der Preisüberwacher hat die vom VöV geplanten Preiserhöhungen praktisch vollständig zugelassen. Nur bei den 9-Uhr Karten zum Halbtaxabonnement und bei den Halbtaxabonnementen dürfen die Preise nicht erhöht werden. Entsprechend wird ansonsten der vom VöV geplante lineare Aufschlag von 2.9 % auf das ganze Fahrkarten- und Abonnementssortiment des Direkten Verkehrs umgesetzt (Preise für Tageskarten, Halbtax- und Generalabonnemente siehe Tabellen).

Die Einführung des SwissPass (der allgemeinen elektronischen Basiskarte für den öffentlichen Verkehr in der Schweiz) Mitte 2015 hat jedoch Folgen für die Halbtax-Abonnementsstruktur. 2-Jahres- und 3-Jahres-Halbtax werden nicht mehr angeboten. Das Halbtaxabonnement wird nach dem Wechsel auf die SwissPass-Karte mit zwei Preisen angeboten: Zum "Treuepreis" von CHF 165 pro Jahr bei ununterbrochener Verlängerung und zum "Einsteigerpreis" von CHF 185 pro Jahr für Neukunden oder Wiedereinsteiger. Im ersten Jahr des SwissPass gilt für alle Käufer der Einsteigerpreis. Der Treuepreis entspricht dabei dem bisherigen Preis pro Jahr des 2-Jahres-Halbtaxabonnements. Inhaber des 3-Jahres-Halbtax werden daher nach Einführung der SwissPass-Karte pro Jahr CHF 15 mehr für das Halbtax bezahlen müssen (aktuell CHF 150/Jahr).

Die Vereinbarung sieht zudem explizit vor, dass die Bahnunternehmen zum Fahrplanwechsel 2016 ihre Preise im Rahmen der zu diesem Zeitpunkt angekündigten Erhöhung der Trassenpreise um CHF 100 Mio. erhöhen dürfen. Die Erhöhung der Trassenpreise ist Teil der von den Stimmberechtigten am 09.02.2014 angenommenen "FABI-Initiative" (Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastuktur), welche auch eine direkte Überwälzung der Erhöhung der Trassenpreise um insgesamt CHF 300 Mio. pro Jahr an die öV-Nutzer beinhaltet.

Zusätzliche Regelungen

Die fast vollständige Zulassung der Preiserhöhungen durch den Preisüberwacher gilt jedoch nur im Zusammenhang mit zahlreichen Zusatzregelungen - und diese haben es durchaus in sich.

Nach der Feststellung »Der Preisüberwacher und der VÖV stellen übereinstimmend fest, dass der Freizeitverkehr im öffentlichen Verkehr gefördert, und die Auslastung der Züge insgesamt sowie insbesondere in der Nebenverkehrszeit weiter verbessert werden soll.« beinhaltet die Vereinbarung auch die Forderung, dass der VöV 2015 testweise ein bisher erst unter dem Arbeitstitel "Abend-GA" bezeichnetes Angebot schaffen muss. Dieses "Abend-GA" muss an allen Tagen ab 19:00 Uhr auf dem ganzen GA-Bereich Gültigkeit haben und »preislich attraktiv für Kundensegmente verschiedenen Alters« sein. Des weiteren muss das Testangebot mindestens 3 Monate lang verkauft werden, eine Gültigkeit von 6 Monaten aufweisen und bis 6 Monate nach Ablauf einen Rabatt von CHF 25 auf den Kauf eines Halbtaxabonnements und von CHF 50 auf den Kauf eines Generalabonnements gewähren. Der definitive Preis, die Kundensegmente und der genaue Zeitraum des Verkaufs des Testangebots ist ebenso wie eine allfällige definitive Einführung den Gremien des Direkten Verkehrs überlassen.

Die Verkehrsunternehmen wurden mit der Vereinbarung zudem verpflichtet, dass auf den 50 meistgenutzten Verbindungen des Direkten Verkehrs ein Kontingent von täglich mindestens 5000 als "Rabattbillette" (Arbeitstitel) bezeichneten Billetten mit einem Rabatt zwischen 30 % und 50 % angeboten werden. Damit verknüpft ist unter Berücksichtigung von Klasse und Halbtax-Vergünstigung eine Gesamtermässigungsvorgabe von jährlich CHF 29.2 Mio. Diese "Rabattbillette" ergänzen das Angebot der Sparbillette. Zusätzlich ist im September 2014 ein Pilotversuch mit deutlich verkürzten Vorverkaufsfristen für die Sparbillette durchzuführen und ab Dezember 2014 müssen Spar- und die kommenden "Rabattbillette" auch über Mobile-Apps erwerbbar sein. Die SBB und der VöV sollen die technische Entwicklung der Vertriebssysteme zudem so vorantreiben, dass die "Rabattbillette" im Verlaufe des Jahres 2016 auch ohne Zugbindung angeboten werden können.

Erstmals mit Pönalen

Die Vereinbarung zwischen Preisüberwacher und VöV beinhaltet erstmals explizit auch Pönalen. Wird das oben erwähnte "Abend-GA" nicht bis Ende 2015 im beschriebenen Mindestumfang angeboten, so muss der Preis des Halbtaxabonnements bis zur Umsetzung um CHF 10 gesenkt werden. Werden nicht ausreichend "Rabattbillette" (Anzahl und Gesamtermässigung) bereitgestellt, so müssen die Verkehrsunternehmen spezielle um 50 % ermässigte 9-Uhr-Karten (CHF 29 statt CHF 58) bis zum Erreichen der Gesamtermässigung verkaufen.


Die neue Vereinbarung zeigt - trotz dem Titel "einvernehmliche Regelung" - recht deutlich die Macht des Preisüberwachers auf. Die Verkehrsunternehmen sind auf einen Abschluss angewiesen, ansonsten müssten sie bis zu einer Schlichtung auf Preiserhöhungen verzichten. Die neuste Vereinbarung führt zu einer Sortimentsausweitung und zu weiteren nicht allgemein verfügbaren Angeboten. Tendenziell wird das Tarifsystem aufgebläht. Die Beschränkung der "Rabattbillette" auf die meistgenutzten Relationen macht gut ausgelastete Relationen für einen Teil der Reisenden noch attraktiver, die Randregionen mit den tendenziell schlechter ausgelasteten Verkehrsmitteln erhalten dadurch wenig Verbesserung. Ein Beispiel: Wer von Schwarzenburg nach Zürich reist, kann zwar ein "Rabattbillett" Bern-Zürich (mit z.B. 30 % Rabatt) ergattern, wegen des dafür notwendigen Aufteilens des Billetts auf Schwarzenburg-Bern und Bern-Zürich verliert er aber einen Teil des Distanzrabatts. Auch die Forderung nach nicht zuggebundenen "Rabattbilletten" dürfte in der Praxis noch einige Probleme bieten: Ohne irgendwelche Einschränkungen werden diese Billette in den bereits gut ausgelasteten Zügen genutzt und will man trotzdem lenken, so müssen (für die Schweiz) neue Gültigkeitsregeln eingeführt werden und die Komplexität des Tarifsystem steigt weiter.

Preisverlauf in CHF für das Sortiment der Halbtax-Abonnemente anlässlich der drei letzten und der kommenden Tarifanpassungen. Preise in Klammern: Ursprünglich vom VöV geplanter Preis, der durch die Verhandlung mit dem Preisüberwacher jedoch angepasst wurde. k.A.: kein Angebot; * erst ab Herbst 2008 im Angebot
Halbtax-Typvorherab 09.12.2007ab 12.12.2010ab 11.12.2011ab 09.12.2012ab 14.12.2014
1 Jahr150150165165175175 (180)
2 Jahre250250300300330 (335)330 (340)
3 Jahre350350400400450 (460)450 (463)
1 Jahr mit Visakartek.A.125*135135150 (155)150 (154)
Preisverlauf in CHF für das Sortiment der Tageskarten anlässlich der vier letzten und der kommenden Tarifanpassungen. Die normale Tageskarte und die 9-Uhr-Karte werden auch als 6er-Karte zum Preis von 5 ausgegeben. Bei der Tageskarte Gemeinde ist der Totalpreis (für jeden Tag im Jahr eine Tageskarte) angegeben. Diese Tageskarte kann auch ohne Halbtax-Abonnement genutzt werden. Preise in Klammern: Ursprünglich vom VöV geplanter Preis, der durch die Verhandlung mit dem Preisüberwacher jedoch angepasst wurde. k.A.: kein Angebot; * bis 11.12.2010 „9-Uhr-Tageskarte“, seither 9-Uhr-Karte ohne Gültigkeit am Wochenende
Tageskarten-Typvorherab 09.12.2007ab 12.12.2010ab 11.12.2011ab 09.12.2012ab 14.12.2014
Einzeltageskarte 1. Kl.90103108112121124
Einzeltageskarte 2. Kl.566468687173
9-Uhr-Karte 1. Kl.*k.A.87949696 (104)96 (99)
9-Uhr-Karte 2. Kl.*k.A.54585858 (61)58 (59)
Tageskarte Gemeinde (2. Kl.)8500977511300123001290013300
Preisverlauf in CHF für das Sortiment der Generalabonnemente anlässlich der vier letzten und der kommenden Tarifanpassungen. Preise in Klammern: Ursprünglich vom VöV geplanter Preis, der durch die Verhandlung mit dem Preisüberwacher jedoch angepasst wurde. k.A.: kein Angebot; * GA Studierende erst ab 01.04.2008; ** früher auch “unpersönliches GA” genannt; *** nicht allgemein erhältlich, nur wenn ein entsprechender Vertrag zwischen der Firma oder dem Ausbildungsverbund und einem Transportunternehmen besteht.
GA-Typvorherab 09.12.2007ab 12.12.2010ab 11.12.2011ab 09.12.2012ab 14.12.2014
1. Klasse
GA Erwachsene470048505150535058005970
GA Junior/Studierende*345036003850400043104430
GA Senior355037004000420045004635
GA für Reisende mit einer Behinderung340035003500355037603870
GA-Plus Fam. Partner255026502900305032403335
GA-Plus Fam. Kind250025002500250026302705
GA-Plus Fam. Jugend250025002500250026602735
GA-Plus Duo Partner305032003500370040004115
GA Kind250025002500250026302705
GA Firmen**760079008550k.A.k.A.k.A.
2. Klasse
GA Erwachsene29903100330033503550 (3560)3655
GA Junior/Studierende*22002250240024002530 (2550)2600
GA Senior22502350255025502680 (2700)2760
GA für Reisende mit einer Behinderung21502200220022002300 (2330)2370
GA-Plus Fam. Partner16501700185019002000 (2020)2060
GA-Plus Fam. Kind600620620620650 (660)665
GA-Plus Fam. Jugend800830830830880 (890)905
GA-Plus Duo Partner20002100230023502490 (2500)2560
GA Kind15001500150015001570 (1580)1615
GA Firmen**480050005400k.A.k.A.k.A.
GA Lernende***k.A.1600170017001800?
GA Hund650650700720760780

Die allgemeinen Tarifmassnahmen zum Fahrplanwechsel 2012
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