(de) Das letzte schöne Wochenende16.06.2019

Der 8. Juni 2019 war der letzte Verkaufstag des am 1. Februar 1995 eingeführten "Schönes-Wochenende-Ticket" (SWT). Das SWT wurde ursprünglich eingeführt, um die an Wochenenden im Vergleich zu den Werktagen schlechte Auslastung der Regionalzüge zu erhöhen.

Das SWT kostete zuletzt in Selbstbedienung EUR 44 für die erste Person, bis zu 4 Reisende konnten für zusätzlich EUR 6/Person mitfahren. Das SWT gewährte freie Fahrt von Samstag 0:00 Uhr bis Sonntag 3:00 Uhr oder von Sonntag 0:00 Uhr bis Montag 3:00 Uhr in den Regionalzügen (InterRegioExpress IRE, Regional-Express RE, Regionalbahn RB, S-Bahn S) der Deutschen Bahn und der meisten Nichtbundeseigenen Eisenbahnen in ganz Deutschland. Ausnahmen bildeten die touristisch orientierte Oberweissbacher Bergbahn mit einem Spezialtarif und die Wangerooger Inselbahn und die Strecke Norddeich - Norddeich Mole für welche der See-Tarif gilt. In zahlreichen Tarif- und Verkehrsverbünden war das SWT auch in weiteren Verkehrsmitteln wie U-Bahnen, Stadtbahnen, Strassenbahnen oder Bussen gültig. Die Gültigkeit beschränkte sich auf die 2. Klasse, die Benutzung der 1. Klasse (und auch von Fernverkehrszügen) war auch gegen Bezahlung eines Aufpreises nicht möglich.

Turbulente Einführung des SWT

Zum Zeitpunkt der Einführung des SWT am 1. Februar 1995 (erster Verkaufstag; das erste Wochenende war dann 4./5. Februar 1995) war das SWT noch ein Wochenend-Ticket im wörtlichen Sinn: Es galt noch für Samstag und Sonntag. Und der Preis betrug nur DM 15 (EUR 7.67 entsprechend dem Wechselkurs bei der späteren Euro-Einführung) für bis zu 5 gemeinsam reisende Personen. Zudem gab es für kurze Zeit auch noch Grossgruppen-SWT, mit denen bis zu 50 Personen für DM 120 und bis zu 100 Personen für DM 160 reisten. Das SWT galt damals (abgesehen von den DB-Verkehrsmitteln) aber noch nicht in Verkehrsverbünden.

Die Nachfrage nach dem SWT war riesig und auf den beliebten Relationen waren die Züge massiv überfüllt. Deshalb wurden bereits nach sehr kurzer Zeit Anpassungen am Angebot vorgenommen. Die Grossgruppen-SWT wurden bereits ab 18. März 1995 nicht mehr angeboten. Zum 28. Mai 1995 wurde der Preis auf DM 30 verdoppelt (und dann auch noch per 1. Januar 1996 auf DM 35 erhöht), dafür anerkannten zum gleichen Zeitpunkt die ersten Verkehrsverbünde das SWT in allen Nahverkehrsmitteln.

Das "Flat-Rate-Ticket" hat bei der Einführung auch die Lust an rekordweiten Fahrten geweckt. Am ersten Mai-Wochenende 1996 sind zwei Studenten mit einem SWT über das Wochenende 3158 km weit gefahren. Dabei haben sie 28 verschieden Regionalverkehrszüge genutzt.


Nebst Preiserhöhungen erfolgten in der Geschichte des SWT noch zwei strukturelle Anpassungen: Per 1. April 1999 wurde die Gültigkeit des SWT unter Beibehaltung des Preises vom ganzen Wochenende auf einen Tag des Wochenendes verkürzt und ab 14. Dezember 2014 galt das SWT nicht mehr pauschal für bis 5 Personen. Wie bei den meisten Ländertickets setzte sich seither der Preis des SWT aus einem Basispreis (damals EUR 40) für die erste Person und einem Aufpreis (damals EUR 4) pro zusätzlich mitreisender Person zusammen. Vor der Umstellung des Preismodells hat das SWT EUR 44 für bis zu 5 Reisende gekostet - nach der Umstellung konnten zum gleichen Preis daher nur noch 2 Personen reisen.

Das SWT war im Prinzip immer eine nicht übertragbare Fahrkarte. Besonders in der Anfangszeit wurden die Tickets - sie waren in keiner Weise personalisiert - jedoch oft weiter gegeben oder es wurde im Zug ganz offen nachgefragt, ob noch "irgendwo Platz auf einem SWT" sei. Ab 1. April 2005 musste daher auf den SWT Name und Vorname der am weitesten reisenden Person eingetragen werden und die entsprechende Person musste ihre Identität mit einem amtlichen Ausweis belegen können. Später wurde die Eintragung der Namen und der Identifikationsnachweis für alle mit einem SWT zusammen reisenden Personen vorgeschrieben und mit der Preisabstufung über die Anzahl Reisender wurde das Verbot der Weitergabe des Tickets oder der Änderung der Reisegruppe verstärkt durchgesetzt.

Alternativangebote

Für Alternativen zum SWT verweist die DB AG auf die ebenfalls für bis zu 5 Personen erhältlichen Ländertickets und das Quer-durchs-Land-Ticket. Die beiden Angebote sind für alle Wochentage erhältlich, an Werktagen jedoch erst ab 9 Uhr gültig. Die Gültigkeit der Ländertickets entspricht - abgesehen von der Beschränkung auf die entsprechenden Bundesländer - im wesentlichen derjenigen des SWT. Das Quer-durchs-Land-Ticket ist im Gegensatz dazu zwar bundesweit im Regionalverkehr der DB und der meisten NE-Bahnen gültig, jedoch nicht in den zusätzlichen Verkehrsmitteln der Verbünde (U-Bahnen, Strassenbahnen, Busse, ...). Der Basispreis des Quer-durchs-Land-Tickets beträgt aktuell (in Selbstbedienung) wie zuletzt beim SWT EUR 44, jedoch zusätzlich EUR 8 für jede weitere Person. Die Preise der Ländertickets sind nicht einheitlich, das Mecklenburg-Vorpommern-Ticket hat den tiefsten Basispreis (EUR 23). Zudem gibt es bei einigen Länder-Tickets auch Angebote für die 1. Klasse oder Nacht-Tickets, die erst ab 18 Uhr gültig sind, dafür aber günstiger angeboten werden.