(ch) Ein halbes Jahr Fernbusse in der Schweiz09.12.2018

Am 10.06.2018 hat in der Schweiz die Zeit der nationalen Fernbusse begonnen. Auf den drei Linien St. Gallen - Zürich - Biel - Genève-Aéroport, Chur - Zürich - Bern - Montreux - Sion und Lugano - Luzern - Basel - Zürich hat Eurobus damals den Betrieb aufgenommen. Zum ersten Fahrplanwechsel am 09.12.2018 gibt es jetzt eine starke Reduktion der Halteorte - statt bisher 35 werden nur noch 18 Orte bedient. Weiterhin gibt es jedoch keine offiziellen Angaben zu den Reisendenzahlen.


Aufgrund des sogenannten Kabotageverbots dürfen Fernbus-Unternehmen auf internationalen Fahrten keine Reisenden auf Strecken nur innerhalb der Schweiz transportieren. Weitere gesetzliche Bestimmungen fordern, dass neue öV-Angebote bestehende und von der öffentlichen Hand mitfinanzierte Angebote nicht wesentlich konkurrenzieren. Nicht staatlich mitfinanzierte öV-Angebote dürfen durch neue Angebote nicht in ihrem Bestand gefährdet sein. Des weiteren muss der Anbieter eines neuen Angebots branchenübliche Löhne und Arbeitsbedingungen bezahlen resp. garantieren, die Bestimmungen des Arbeitszeitgesetzes und des Behindertengleichstellungsgesetzes einhalten. Um eine Konzession zu erhalten, gelten zudem vier Pflichten: Transportpflicht, Fahrplanpflicht, Betriebspflicht und die Tarifpflicht. Letztere fordert zum Beispiel die Teilnahme am "Direkten Verkehr" und in der Regel die Anerkennung von Halbtax- und Generalabonnement. Grundsätzlich ist durch diese Anforderungen Fernbus-Verkehr innerhalb der Schweiz nicht ausgeschlossen. Man spricht von einem "regulierten, jedoch nicht abgeschlossenen Markt".

Aufgrund von Postulaten aus dem Parlament zum Thema Personenverkehr mit Bahn und Bus hat der Bundesrat 2017 in einem Bericht denn auch festgehalten, dass nationale Fernbusse unter geltendem Recht möglich wären. Ebenso steht in diesem Bericht auch "... werden Fernbusleistungen im Sinne von punktuellen Ergänzungen als sinnvoll erachtet, so z.B. für bestimmte mit der Bahn nicht optimale Tangentialverbindungen, Verbindungen zu nächtlichen Randzeiten oder Flughafentransfers auf bestimmten Destinationen."

Linien und Tarife

Die "Domo Swiss Express" hat als erstes Unternehmen am 19.02.2018 vom Bundesamt für Verkehr (BAV) eine vorerst bis Ende 2020 gültige Konzession für nationale Fernbusleistungen auf den drei Linien St. Gallen - Zürich - Biel - Genève-Aéroport, Chur - Zürich - Bern - Montreux - Sion und Lugano - Luzern - Basel - Zürich erhalten (siehe Abbildung 1). Für das Unternehmen war das Projekt aber wohl etwas zu gross, noch vor der Betriebsaufnahme wurde "Domo Swiss Express" an Eurobus verkauft und wird seither als Tochtergesellschaft "Eurobus swiss-express" geführt. Als Vertriebspartner wurde Anfangs Juni 2018, und damit nur wenige Tage vor Betriebsaufnahme, noch Flixbus an Bord geholt. Als schwierig hat sich auch die Sicherung guter Standorte für die Haltestellen erwiesen. Vielerorts sind die Haltestellen peripher gelegen. Bei Betriebsaufnahme wurden die drei Linien jeweils zweimal täglich in beide Richtungen befahren.

Auf den drei Linien liegen die Fahrzeiten deutlich über den Fahrzeiten der entsprechenden Bahnverbindungen. Dementsprechend müssen natürlich die Fahrpreise tief ausfallen. So kostet z.B. die einfache Fahrt Bern - Zürich ab CHF 11.40 (mit Halbtax ab CHF 5.70) oder Zürich - Montreux ab CHF 18.50 (Halbtax CHF 9.25). Bei Nutzung der Bahn kosten die entsprechenden Fahrkarten zum Normalpreis (Sparbillette können günstiger sein) CHF 51/25.50 resp. CHF 80/40 und sind damit mehr als viermal so teuer. Da bei Fernbussen keine Stehplätze zugelassen sind, sind die Fahrkarten jeweils busgebunden und beinhalten die Sitzplatzreservation. Falls Reisende mit Pauschalfahrausweisen (Generalabonnement, Tageskarten) die Busse nutzen wollen, müssen sie eine Reservation tätigen (CHF 5). Für kurze Teilstrecken (z.B. Solothurn - Biel oder Lugano - Bellinzona), können auf der Webseite von Eurobus keine Fahrkarten gekauft werden.


Fernbusse Schweiz ab 10.06.2018 (initial)

Abbildung 1: Liniennetz und Halteorte der nationalen Fernbusse von Eurobus vom 10.06.-08.12.2018.


Fernbusse Schweiz ab 09.12.2018

Abbildung 2: Liniennetz und Halteorte der nationalen Fernbusse von Eurobus ab Fahrplanwechsel vom 09.12.2018.

Die Entwicklung zum Fahrplanwechsel vom 09.12.2018

Über die Nutzung des neuen Angebots hat sich der Anbieter bisher nicht geäussert. Verschiedene Berichte in den Medien von mitreisenden Journalisten oder jetzt die neusten Entwicklungen zum Fahrplanwechsel lassen aber den Schluss zu, dass die Auslastung unbefriedigend ist. Per 09.12.2018 wurde die Zahl der Halteorte von 35 auf nur noch 18 reduziert (siehe Abbildung 2). Die Linie Chur - Zürich - Bern - Montreux verkehrt nur noch zwischen Zürich (dafür ab Zürich Flughafen) und Montreux. Durch die kürzere Strecke braucht es keine Pause für den Chauffeur mehr und die Fahrzeit konnte zwischen Zürich und Montreux zusammen mit dem Wegfall des Halts in Bulle um 40 Minuten auf 3:20 gesenkt werden. Die Linie Lugano - Luzern - Basel - Zürich wird zu Lugano - Luzern - Zürich - Basel und verkehrt südlich von Luzern nur noch einmal täglich und ohne Halt zwischen Bellinzona und Luzern. Auch auf der Linie St. Gallen - Zürich - Biel - Genève-Aéroport wird durch die Aufhebung der Halte in Winterthur, Yverdon-les-Bains und Nyon die Fahrzeit verkürzt, um rund 30 Minuten für die ganze Linie. Zwischen Zürich und Basel sowie Zürich und Bern verkehren die Busse neu bis zu vier mal täglich. Die Reduktion der Halteorte verringert die Zahl der Direktverbindungen mit dem Bus auf Verbindungen, wo die Bahn nur Umsteigeverbindungen anbietet, deutlich. Damit geht auch ein grosser Teil des für eine Konzessionserteilung nötigen "ergänzenden Angebots" verlustig.